Aufgewacht – für unsere Tochter

Seit der Geburt unserer kleinen Tochter – und damit mitten in der Corona-Zeit – hat sich unser Leben radikal verändert.
Nicht nur, weil wir Eltern geworden sind, sondern weil wir in eine Zeit hineingeworfen wurden, in der mit Familien Dinge gemacht wurden, die sich für uns oft nicht richtig anfühlten.

Entscheidungen unter Druck.
Maßnahmen, die wir nicht wirklich wollten.
Empfehlungen, die mehr wie Vorgaben wirkten.

Damals waren wir unsicher. Überfordert. Frischgebackene Eltern in einer Ausnahmesituation, also haben wir vieles mitgemacht.
Heute wissen wir: Wir waren nicht im Vertrauen. Wir waren im Funktionieren.

Von Station zu Station – aber nie wirklich gesehen

Nach den ersten herausfordernden Jahren mit unserer Tochter begann das nächste Kapitel: Untersuchungen, Gespräche, Einschätzungen.

Uns wurde gesagt, was „normal“ sei.
Uns wurde erklärt, was auffällig sei.
Uns wurde nahegelegt, was man „jetzt machen sollte“.

Und immer wieder dieses Gefühl:
Hier geht es weniger um unser Kind – sondern darum, sie einordnen zu können.

Hochsensibel.
Vielleicht im Spektrum.
Test hier.
Diagnostik da.

Je mehr man uns erklärte, desto stärker spürten wir innerlich Widerstand.
Nicht, weil wir die Augen verschließen, sondern weil wir immer deutlicher merkten: 
Unsere Tochter ist kein Problem, das gelöst werden muss.

Warum braucht es immer einen Stempel?

Jetzt steht die Schulpflicht vor der Tür und wieder dreht sich alles um dieselbe Frage:

„Passt sie ins System?“

Und falls nicht –

welchen Test können wir machen?
welche Diagnose könnten wir bekommen?
welche Kategorie trifft zu?

Aber wofür braucht es diese Diagnose wirklich?
Für das Kind?
Oder damit das System weiß, wie es mit ihr umgehen soll?
Damit sie in eine Schublade passt, die das Handling einfacher macht?

Wir stellen uns diese Fragen immer wieder, denn für uns ist sie nicht „besonders“ im Sinne eines Etiketts.

Sie ist besonders, weil sie sensibel ist.
Weil sie tief fühlt.
Weil sie mitfühlt.
Weil sie eine eigene, starke, individuelle Persönlichkeit hat.

Und genau das ist doch das, was diese Welt braucht.

Unser Erwachen

Vielleicht brauchte es genau sie, um uns wachzurütteln. Wir haben gelernt, nicht mehr alles hinzunehmen.
Nicht mehr automatisch zu glauben, was „man eben so macht“.
Nicht mehr aus Angst zu handeln.

Wir wollen nichts mehr auf dem Rücken unserer Tochter austragen.

Keine gesellschaftlichen Erwartungen.
Kein Funktionieren um jeden Preis.

Wir wollen hinsehen. Spüren. Entscheiden.

Als Eltern. Als Familie.

Wie es weitergeht?

Wir stehen an einem Punkt der Entscheidung.

Gegen die Schulpflicht ankämpfen oder vielleicht die Welt entdecken – auf unsere Weise.

Was es genau wird, wissen wir noch nicht, aber eines wissen wir sicher:

Wir werden uns nicht mehr beugen, wenn es sich nicht richtig anfühlt.

Und wir werden unsere Tochter nicht verbiegen lassen, damit sie irgendwo hineinpasst.
Denn sie ist kein Systemkind.
Sie ist ein freies, fühlendes Wesen.

Und wir sind bereit, unseren eigenen Weg zu gehen.

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